Heiliger Zorn

AngerWenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse frage ich mich, wie ich so lange ausgehalten habe.

Ich wurde in meiner Kirche körperlich angegangen, musste mich vor Aushilfspriestern rechtfertigen, warum ich überhaupt Psychologin geworden bin und mir sagen lassen, dass nur Priester Menschen helfen können, wurde zig Male von alten Männern für irgendwelche Lappalien angeranzt (Stühle nicht richtig gestapelt, warum keine Kollekte im Kindergottesdienst, …), wurde nicht ernstgenommen, weil ich ja bloß eine „kleine Mutti“ bin, musste mich dafür rechtfertigen, dass Kindergottesdienste parallel zur Messe stattfinden (weil die Eltern dann wissen, dass ihre Kinder bei uns gut betreut werden vielleicht?), musste mir anhören, dass Gott eh nicht anwesend ist, wenn kein Priester dabei ist (sch… auf  „wo zwei oder drei in meinem Namen…“), Weiterlesen

Relativ

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American soldier walks through an abandoned building in the Shahr-e Safa, Afghanistan, bazaar during a site assessment (U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Brian Ferguson, Released).

Heute morgen habe ich mich darüber ausgelassen, wie schlimm so ein Zuckerschock ist. Und gerade komme ich von „unseren“ Afghanen, die mir ein bisschen was aus ihren Leben erzählt haben.

Einen dieser jungen Männer begleite ich seit einiger Zeit regelmäßig zum Arzt. Ihm wurde in Afghanistan in beide Arme geschossen, außerdem wurde ihm ein Auge ausgeschossen.

Heute hat er mir seine Geschichte genauer erzählt, weil seine neue Ärztin wissen wollte, wie es genau zu seinen Verletzungen gekommen ist. Sie war übrigens die erste, die eine anständige Anamnese erhoben hat…

Ich habe versucht, mir so wenig wie möglich zu dem erzählten vorzustellen, aber schon das Zuhören war schrecklich genug. Ich weiß nicht, wie man solche Erlebnisse überstehen und dann noch die Kraft haben kann, als Analphabet ohne Geld und Familie zu Fuß in ein fremdes Land zu gehen.

Und ich kriege diese Realitäten nicht in meinem Kopf zusammen: unmenschliche Grausamkeit, Gewalt, Bombenanschläge und meine Sorgen, die sich sehr real und belastend  und gar nicht klein anfühlen.

Und dazu fällt mir heute auch kein versöhnlicher Satz ein. Entschuldigung.

 

[Bildquelle: http://all-free-download.com/free-photos/download/bazaar_building_554267.html]

Zu viel Zucker im Blut

Auf Grund schlechter Planung befand ich mich am Wochenende auf einmal in der Lage, wahnsinnig Hunger zu haben und das einzig Essbare in der Nähe war ein Erdbeerkuchen mit Sahne. Weil ich keine Lust hatte, mir und den anderen  wegen meines leeren Magens die Laune zu verderben, erklärte ich den Kuchen zu Obst und aß ein ziemlich großes Stück davon.

Hätte ich das mal lieber nicht getan. Solche Bauchschmerzen hatte ich selten, statt klar denken war nur noch aufgedrehtes Gackern möglich und heute Morgen habe ich mich richtig verkatert gefühlt mit Kopfschmerzen und ekligem Geschmack im Mund. Mies geträumt habe ich zu allem Überfluss natürlich auch noch.

Ich habe erlebt, wie es ist, sich vom Zucker zu entwöhnen und sich dann den totalen Zuckerschock zu geben. Wenn es nicht sein muss, möchte ich sowas nicht nochmal erleben.

Von Paleo, Logi und LowCarb bin ich momentan etwas genervt, weil viele das so pseudoreligiös betreiben, aber ich werde mich in der nächsten Zeit doch noch etwas intensiver damit auseinandersetzen, v.a. weil ich nicht jeden Tag das gleiche essen will. Buchtipps folgen!Erdbeerkuchen

Zucker im Blut

Ostern ist vorbei, die Schokohasen verschenkt und der Zuckerverzicht kann weitergehen. An Ostern habe ich doch das ein oder andere Schokoei verzehrt, aber darüber lass ich mir keine grauen Haare wachsen.

Kurz vor den Feiertagen war ich beim oralen Glukosetoleranztest, bei dem einmal der Blutzucker nüchtern gemessen wird, dann nimmt man 75g Zuckerlösung zu sich und dann wird nach jeweils einer und zwei Stunden nochmal Blut abgenommen. Das Ganze war ein ziemlicher Heckmeck, weil niemand den Test bei mir „nur für eine Ernährungsberatung“ machen wollte. Am Ende musste mein Papa herhalten bzw. dessen Sprechstundenhilfe (Ich weiß nie, wie die Damen in Weiß heute korrekterweise genannt werden müssen, sorry!). Komisch, sonst IGelts doch in den Praxen überall… Am Dienstag hatte ich also drei Blutzuckerwerte und einen Insulinwert (den wir eigentlich auch dreimal gebraucht hätten, wie ich das verstanden habe, aber mei, besser als nix). Der Insulinwert (wahrscheinlich der Nüchternwert) wahr bei 1,5 (Normwerte laut Labor 5,6 bis 30, Einheit muss ich noch nachschauen) und die Blutzuckerwerte (nüchtern, 1 Stunde nach Glukosegabe und zwei Stunden danach) 93, 96, 91.

Normal ist laut Internet nüchtern ein Wert kleiner 100 (bzw. 90, je nach Quelle), zwischen 100 (90) und 125 mg/dl spricht man von Glukosetoleranz oder Insulinresistenz , ab 126 mg/dl liegt eine Diabeteserkrankung vor. Nach der Glukosegabe schnellt der Wert normalerweise bei der 2. Messung auf irgendwas um die 120 (ab 140 bis 200 spricht man wieder von Glukosetoleranz) und sinkt dann bis zur 3. Blutabnahme wieder in Richtung Nüchternwert ab.

Die Ärztin bei der ich jetzt war, hat als erstes meinen Bauchumfang gemessen. Frauen sollten nicht mehr als 80cm haben (Männer nicht mehr als 100cm, eigentlich etwas weniger, aber den genauen Wert habe ich vergessen), sonst ist dort zu viel Fett eingelagert. Besonders das Bauchfett ist sehr ungünstig für die Gesundheit (Vielleicht schaffe ich es mal, etwas drüber zu schreiben).  Ich habe deutlich mehr. Ich habe ihr erzählt, dass ich nach den Schwangerschaften jedesmal mein Ausgangsgewicht in etwa wieder erreicht habe (Eine Bohnenstange war ich nie!), aber in den letzten Jahren ungefähr 8 Kilo zugenommen habe, die ich auch unter Kalorienreduktion und Sport nicht wieder loswerde. Und die Waage zeigt jeden Monat etwas mehr an.

Meine neue Ärztin ist der Ansicht, dass ein Nüchternwert von über 90 in meinem Alter zu hoch ist und hat nach Betrachtung der verschiedenen Werte geschlossen, dass ich wahrscheinlich eine Insulinresistenz habe, auch wenn ein Hausarzt der alten Schule das nicht so sehen würde. Ich bin mir gerade selbst sehr unsicher, wie sie auf diese Diagnose kommt (weil ich nicht weiß, ob der in ihren Augen erhöhte Nüchternzucker plus Bauchumfang schon ausreichen für die Diagnose). Auf alle Fälle bin ich zu dick, das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Ich soll jetzt so vorgehen: Ab 17 Uhr keine Kohlenhydrate und zwischen den Mahlzeiten 4 bis 5 Stunden Pause (nur Wasser oder Kräutertee trinken). Ziel ist in erster Linie, die Bauchspeicheldrüse (zuständig für die Insulinproduktion) zu entlasten. An einem Tag in der Woche soll ich komplett auf Kohlenhydrate verzichten (Obst in Maßen ist ok, aber keine Bananen, Mangos, Trauben…). Wenn das zu Hungerattacken führen sollte, würde sie mir zur Unterstützung evtl. Metformin (ein Antidiabetikum) verschreiben, das wäre aber off-label (also nicht zugelassen für meine Diagnose). Ich versuche es jetzt auf alle Fälle mal ohne, hab ja schon gemerkt, dass kohlenhydratarme Kost meinen Hunger reduziert.

Ich werde mit meiner Hausärztin (das ist wieder eine andere Ärztin, die mein Übergewicht bisher nicht so richtig ernst genommen hatte) nochmal genauer abklären, was sie zu den Werten sagt.

Mein Vater findet das Ganze übrigens Humbug und wird ganz böse, wenn ich ihn frage, wie dick ich (und seine Patienten) noch werden sollen, damit er eine Behandlung für wichtig hält.

Über eure Meinungen zu diesem kontroversen Thema freue ich mich sehr! Ich würde die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Hormonen und Gewicht sehr gerne noch viel besser verstehen!

Zucker

In der Fastenzeit verzichtet ein Freund von uns jedes Jahr auf Süßes. Das fand ich immer doof. Irgendwie bemüht und uninspiriert. (Ja, ich bin voreingenommen und gemein.)
Die Mutter eines Spielkameraden meiner Söhne bittet uns immer, dass ihr Kind bei uns keine Schokolade etc. bekommt. Das leuchtete mir nicht so richtig ein. Voll die Helikoptermutti, oder?

decorated sugar cubes

Die WHO empfiehlt nicht mehr als 6 Teelöffel Zucker täglich zu sich zu nehmen…

Dass Zucker nicht so gut für die Gesundheit ist, wusste ich natürlich. Und dass bei der Zuckerproduktion wahrscheinlich Kinder ausgebeutet werden, dachte ich mir ehrlich gesagt auch.

Aber selber keinen Zucker mehr essen? Oder gar die Ernährung der Kinder umstellen? Wozu denn?

Nun war ich neulich mal wieder wochenlang erkältet, matt, müde, genervt und hatte viel Zeit, alle möglichen Mediatheken zu durchforsten. Und da hat mich das Thema Zucker richtig angesprungen.
Angefangen habe ich mit dem Film „Voll verzuckert“ der ähnlich wie „Supersize me“ funktioniert, nur mit Zucker. Seit diesem Film habe ich so gut wie keinen Haushaltszucker mehr gegessen und vor Süßem ekelt es mich geradezu.
Auch diverse Dokus der Öffentlich-Rechtlichen habe ich konsumiert und die Arte-Doku Die große Zuckerlüge.

Seit zwei Wochen läuft also mein Zuckerverzicht schon. Zusätzlich versuche ich, nicht mehr als ca. 50g Kohlenhydrate zu essen, sondern entsprechend mehr Fett und Proteine. Das heißt, dass auf meinem Speiseplan jetzt sehr viel (rohes und gedünstetes) Gemüse, Avocado, Nüsse, Fisch, Tofu, aber auch vollfetter Natur-Jogurth und Obst stehen. Meine Ernährung ist viel bunter geworden.

Mein Mann findet das so halbtoll, denn er möchte so wenige tierische Produkte wie möglich essen. Er ist aber eigentlich nur abends zu Hause, so dass ich nicht besonders auf ihn Rücksicht nehmen muss. Die Kinder bekommen natürlich mit, dass Mama keine Nudeln isst (vorher mein Hauptnahrungsmittel) und wundern sich. Ich verbiete ihnen nichts (auch Gummibärchen sind noch vorrätig), denn Kohlenhydrate müssen im Falle unseres nierenkranken Sohnes sowieso den Großteil der Ernährung ausmachen. Aber sie essen auf alle Fälle momentan auch viel mehr Obst und Gemüse als vorher und das ist doch super!

Ich werde dieses Experiment auf alle Fälle fortsetzen, so lange es mir gut tut. Meine Hausärztin ist mit an Bord und überwacht meine Blutwerte.

Bisher habe ich übrigens ungefähr 1kg abgenommen und eigentlich nie Hunger (oder jedenfalls keinen Heißhunger). Nur meine afghanischen Deutsch-Schüler finden es sehr lustig, dass ich meinen Tee jetzt immer ohne „Sukar“ trinke, weil „afghan Tee macht keine dicke Bauche“.

Das passende Buch zum Thema ist „Fat Chance“ von Robert Lustig. Von ihm ist auch der millionefach geklickter Vortrag Sugar – The bitter truth.

Aber wie immer gilt: Bilde dir selbst eine Meinung und glaube keine Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

Bildquelle: http://mrg.bz/TjAo2v

Update Zero Waste

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen, aber so wie auf dem Foto sieht es in unserem Mülleimer schon lang nicht mehr aus…

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Das war einmal 🙂

Seit wir angefangen haben, uns mit Zero Waste zu beschäftigen, hat sich schon einiges getan. Wir kaufen Milch in Glasflaschen die aus der Gegend kommt, unverpacktes Gemüse das gerade Saison hat, Nudeln nur noch in Papierverpackung, benutzten verpackungslose Seife statt Shampoo (hier brauche ich noch eine bessere Lösung, meine Haare sind mittlerweile total störrisch und kaputt), haben die Kinder überzeugt, dass diese komischen Zeitschriften mit Plastikspielzeug der letzte Dreck sind, werfen Obst- und Gemüsereste konsequent auf den Kompost, nehmen eigene Stofftaschen zum Bäcker mit, gehen Omas und Opas mit Vorträgen auf die Nerven („Jetzt haben wir doch schon auf Bioeinkauf umgestellt und jetzt sollen wir auch noch auf Verpackungen verzichten! Die jungen Leute spinnen doch!“) usw….

Wir müssen nun viel seltener zum Wertstoffhof und unsere Mülltönne ist meistens nur halbvoll. Das ist doch schon was!

Aber da geht noch mehr, glaube ich:

Bei uns im Dorf gibt es einen Biogärtner, bei dem man tolles Obst und Gemüse kaufen kann und der Metzger hat versprochen, dass ich mit meiner Glasbox bei ihm einkaufen darf (wenn nicht grade ein Lebensmittelkontrolleur da ist) und in München (wo ich studiere) hat gerade der Ohne-Supermarkt eröffnet, den ich besuchen werde, sobald das Semester wieder losgeht.

Warum kaufe ich dann da nicht ein?
Der Biogärtner liegt total abseits und der Metzger hat komische Öffnungszeiten und überhaupt vergesse ich immer meine Gefäße und das ist dann auch bestimmt viel teuerer und außerdem bin ich momentan viel zu erkältet, um mich ewig mit einkaufen zu beschäftigen… Kurz: Ich habe noch keine neue Einkaufsroutine entwickelt und folge deshalb, wie auf Autopilot, der alten. Mist, Mist, Mist!

Das ist doof, lässt sich aber mit etwas Hartnäckigkeit ändern.

Ein größeres Problem ist diese fiese innere Stimme, die immer mal wieder flüstert: „Das ist doch alles Quatsch und total zwanghaft! Und nützt sowieso nichts! Also lass doch den Scheiß! Die armen Kinder, die wachsen doch total unnormal auf, wenn du ihnen alles verbietest, was in einer Verpackung daher kommt! Wo bleibt denn da der Spaß?“

Ich beneide alle unter euch da draußen, die sich sicher sind, dass richtige zu tun, wenn sie sich für einen bestimmten alternativen Lebenstil entschieden haben!

 

Zero Waste in Bayern

Ich lerne mal wieder (weil ich einen Masterstudienplatz bekommen habe!) bzw. perfektioniere meine Lernvermeidungsstrategien. Unter anderem deshalb habe ich mir gestern das Buch „Zero Waste Home“ von Bea Johnson gekauft (als ebook natürlich). Ich finde es eher inspirierend als informativ (zum Thema „Warum Selbsthilferategeber nie helfen“ schreibe ich auch gerne mal was), aber es hat mich gerade dazu verleitet, ein paar Küchenschubladen zu öffnen und alles zu entfernen, was nicht wirklich wirklich notwendig ist.

Zum Opfer gefallen sind dieser Ausräumaktion z.B.

  • der 2. und 3. Schneebesen
  • die Knoblauchpresse
  • der Mangoschneider (Geschenk meiner Oma)
  • der Apfelschneider (Werbegeschenk)
  • der Nutellglasauskratzer (Geschenk meiner Oma)
  • das 2. und 3. Teesieb
  • die 4 nie benutzen Küchenmesser (wir haben seit ein paar Jahren wahnsinnig scharfe Thaimesser, neben denen sich jedes andere Messer anfühlt wie ein Spatel)
  • alle Eierwärmer (liebevoll gestrickt von ein paar wirklich sehr netten Klosterschwestern)
  • alle Plastikrühr- und -hebegerätschaften
  • alle Kinderplastikbecher
  • usw.

Diese Liste strapaziert wahrscheinlich die Nerven  jeden Lesers so sehr wie das ständige Gebrabbel von Kleinkindeltern darüber, was ihr süüüßer Kleiner alles tolles sagt und tut. Allerdings bin ich auf meine Aufräumaktion auch mindestens so stolz, wie auf die ersten Worte meiner Kinder (ok, das war schon noch toller, aber nur ein bisschen).

Was ich nicht verschweigen möchte: Wir leben in einem demokratischen Haushalt, soll heißen, die Stimme meines Mannes hat das gleiche Gewicht wie meine. Deshalb muss ich ihn leider noch um seine Zustimmung bitten, schließlich gehören die (noch nicht erwähnten) Cocktailutensilien und die Käsereibe ihm.

Mein nächstes Problem wird sein: Wie entsorge ich die Sachen so, dass es für mich emotional verkraftbar ist. Mülltonne geht da schon mal nicht und für ebay habe ich keine Zeit (da müsste ich ja Fotos von jedem einzelnen Kochlöffel machen). Für kreative Ideen bin ich also dankbar. Und natürlich auch für eure Erfahrungsberichte zum Thema „Simplify your life“, Müllvermeidung, Ehekrach nach Ausmistaktion,… Und natürlich dazu, wie man seinen Kindern beibringt, dass das Christkind dieses Jahr pro Nase maximal 3 Geschenke (statt wie sonst 10 oder mehr, den Großeltern sei „Dank“) bringt.

 

 

 

 

Nana probiert die Welt: Sahnebonbons kochen

Kochbuch

Seit ein paar Wochen versuchen wir zu Hause, unseren Müll zu reduzieren. Zum Teil ist das schon gut gelungen (Mehrwegflaschen statt Tetrapak, das war nicht besonders schwierig). Manches ist aber irgendwie nicht so einfach: Unsere Söhne sind noch nicht so ganz davon überzeugt, dass wir (also sie) schon mehr als genug Lego und Playmobil besitzen und deshalb kein neues mehr geschenkt wird. Mein Mann vergisst beim Einkaufen gerne mal, dass Aldi und Lidl für unser Vorhaben eigentlich nicht mehr die geeigneten Läden sind. Und ich liebe Süßigkeiten (Schokolade, Gummibärchen, Bonbons, alles was ungesund ist und dick macht).

Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, verzichte ich also auf den Kauf von Süßkram (außer, mir läuft irgendwo ein Marktstand über den Weg, der mir Schokolade etc. in ein Marmeladenglas oder Stoffbeutel abfüllt).

Dank meiner Großeltern bin ich nun schon seit einigen Jahren im Besitz eines nützlichen Kochbuchs (Ilse Froidl: Böhmische Küche (2008, 19. Auflage), Aufstieg-Verlag ), in dem Rezepte wie Gänseleber, gedünstet, Gußdalken und Gemüsebrandteigauflauf enthalten sind. Auch einen leckeren Hirnauflauf könnte ich nachkochen (oder auch nicht, weil Hirn so weit ich weiß gar nicht mehr verkauft werden darf und wir außerdem meistens vegetarisch essen).

Heute habe ich mich aber für Sahnebonbons entschieden. Dafür braucht man nur Sahne (1/4 Liter), Zucker (140g) und Geduld. Die Sahne kommt aus der Gegend und ist in Mehrwegflaschen verpackt, der Zucker war in einer Papiertüte, die ich zum Ofenanzünden verwendet habe. Sehr müllsparend also und damit genau das, was ich brauche.Sahnebonbons Topf

Laut Rezept habe ich die Zutaten unter ständigem Rühren dick einkochen lassen und die Masse dann (nachdem  sie die Konsistenz von zu dicker Käsesoße hatte) auf eine mit Öl bepinselte Platte gegossen.

Sahnebonbons abkühlen

Wenn alles kalt ist, werde ich die Masse in kleine Stücke schneiden und in einem Marmeladenglas aufbewahren.

Bisher bin ich ja nicht so die Do-it-yourself-Verfechterin (mein Leitspruch: „Nichts hält länger als ein Provisorium.“). Ich glaube, weil meine Mutter eine schreckliche Pfuscherin ist (Entschuldigung Mama, aber es ist die Wahrheit!) und wir uns an selbst gebauten scharfkantigen Kinderzimmermöbeln unsere ganze Kindheit lang die Knöchel blau geschlagen haben. Oder weil es bei uns zu Hause (gefühlt) immer nur selbst gemachtes Weintraubengelee gab und niemals Himbermarmelade oder gar Nutella. Aber das Bonbonskochen war ehrlich gesagt ziemlich meditativ und hat auch nicht besonders lang gedauert. Werde ich also wieder machen.

Falls jemand Lust hat, das Rezept auszuprobieren, bitte Vorsicht: Die Masse wird sehr heiß!

Nana probiert die Welt: Ein eigenes Projekt im eigenen Ort

Die ehrenamtliche Arbemen_sittingit in unserem Dorf ist in fester Hand: zwei ältere Damen mit wohlhabenden Ehemännern und ihre Unterstützerinnen haben in den letzten Jahren eine recht gut funktionierende Infrastruktur zur Betreuung benachteiligter Familien aufgebaut. Das ist gut!

Leider bin ich als Skeptikerin geboren und frage mich: Geht da nicht noch mehr? Kann es wirklich sein, dass so eine Truppe vollkommen ohne Anbindung an Sozialpädagogen, Supervisoren, Fachleute aller Art auskommt? Kann es wirklich sein, dass keine weiteren Ehrenamtlichen mehr gebraucht werden, weil alle schon bestens versorgt sind? Gibt es nicht immer irgendwo was zu tun? Ist es nicht besser, motivierte Leute einzubinden, anstatt sie wegzuschicken? Warum überarbeitet sich eine der Charity-Ladies bis zum Burnout und mag immer noch nichts delegieren? Und warum taucht eigentlich immer nur ein einziger Name in unserem Gemeindeblatt auf, wenn über die Tätigkeit der Familienstelle berichtet wird? Ist die Arbeit der anderen keiner Würdigung wert? Warum bekommen alkoholkranke Menschen von dieser Gruppe keine adäquate Unterstützung? Liegt das vielleicht daran, dass angenommen wird, dass „die eh selber schuld sind“?

Solche Gedanken äußere ich nicht laut, denn ich will meinerseits niemanden entmutigen, sich zu engagieren. Allerdings habe ich nicht vor, länger zu Hause herum zu sitzen und mich zu ärgern, dass niemand meine Unterstützung haben will. Ich werde mit Menschen, die ich schätze, ein eigenes Projekt ins Leben rufen. Um was es dabei geht, beschreibe ich später genau. Im Moment müssen wir uns noch überlegen, wie wir mit den Wohltätigkeitsstrukturen in unserer Gemeinde umgehen wollen. Unterwandern? Ignorieren? Einschleimen?

Wer Tipps hat, möge diese bitte unbedingt äußern! Noch bin ich ziemlich eingeschüchtert von der Übermacht der „guten Frauen“!

Das Buch, das mich zum Selbsthandeln gebracht hat, heißt übrigens „Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ und ist von Harald Welzer. Vielleicht mal nicht bei Amazon, sondern beim örtlichen Buchhändler kaufen oder noch besser: ausleihen?

Foto  über morgueFile

Absichtsloses Gekritzel oder Konzentration durch Ablenkung

Doodeling 1

So, ich habe, wie angekündigt, gedoodelt, sprich gekritzelt.

Natürlich habe ich mir zuerst eine bis mehrere Anleitungen (Link hier) im Internet angesehen. Dann bin ich auf ein lustiges Buch gestoßen, nämlich auf Hirameki (Link hier) von Peng + Hu. Und eine Studie (Link hier) zum Thema Doodling habe ich auch entdeckt (Andrade, J. (2010) What does doodling do? Applied Cognitive Psychology, 24 (1), S. 100-106). Sie legt nahe, dass kritzeln hilft, sich besser zu konzentrieren, wenn man schon leicht gelangweilt ist: Die Probanden, die während eines Telefonats herum gekritzelt hatten, konnten sich nämlich im Durchschnitt an 29 % mehr erinnern, als die, die nicht gekritzelt hatten.

„The doodling group performed better on the monitoring task and recalled 29% more information on a surprise memory test. Unlike many dual task situations, doodling while working can be beneficial. Future research could test whether doodling aids cognitive performance by reducing daydreaming.“ Jackie Andrade

Nach all der Informationsbeschaffung habe ich mich dann tatsächlich hingesetzt und obiges Doodle mit der festen Absicht fabriziert, nichts bestimmtes aufs Papier bannen zu wollen, sondern einfach so absichtslos wie möglich Linie an Linie zu setzen.

Es hat mich dann ziemlich angestrengt, nicht sofort wieder aufzuhören, weil es mir wahnsinnig dekadent vorkam, am helllichten Tag da zu sitzen und „doof rum zu malen“. Außerdem musste ich an meinen Kunstlehrer denken, der meinte, wer nicht gegenständlich zeichnen könne, brauche sich auch nicht an Abstraktem versuchen. Aber irgendwann habe ich mich daran erinnert, dass ich ja nur mal ausprobieren wollte, ob mir das Spaß macht und ich nicht vorgehabt hatte, den nächsten Preis irgendeiner Kunststiftung zu erringen. Und Tatsache: Dann war Kritzeln entspannend und ein netter Zeitvertreib. Ich bin also ab jetzt jemand, der, z.B. in Vorlesungen (ich habe ab Oktober einen Masterplatz für Psychologie, das ist wie ein Sechser im Lotto), gerne kritzelt.

So einfach lässt sich das Selbst erweitern.